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Pressestimmen Er ist klein, aber unübersehbar. Auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig kennt ihn jeder. Nicht nur der keck zwischen Hose und Schuh hervorleuchtende roten Socken wegen. Klaus Wagenbach ist einer, dem man sich nicht entziehen kann. Listig funkelt der Blick durch die Brillengläser. Und jede längere Satzperiode endet in koboldhaftem Lachen. Mokiert sich da ein freier Geist über den Widersinn der Welt? Oder kichert er über sich selbst? Es trifft wohl beides zu. [...] Manfred Papst, NZZ am Sonntag
„Der Verlag ist unabhängig und macht davon Gebrauch." Unbeirrt kämpft Wagenbach weiter gegen die zunehmende Banalisierung in der modernen Medienwelt. Die Freiheit des Verlegers, heißt denn auch ein dickes, natürlich rotes Buch, das Wagenbachs dritte Frau und seit 2002 Verlagsleiterin Susanne Schüssler herausgegeben hat [...]. Es enthält Erinnerungen, Essays, Kommentare, Festreden und Seitenhiebe des Verlegers aus 50 Jahren. Keine lahme und lobhudelnde Festschrift, sondern kluge, engagierte, empörte, witzige und hellsichtige Texte, die uns vor allem eines klar machen: Persönlichkeiten wie Klaus Wagenbach prägen mit ihren kleinen unabhängigen Verlagen unsere Bücherwelt stärker und nachhaltiger, als anonyme, rein profitorientierte Verlagskonzerne mit ihrer für den Tag gemachten Massenware. Dirk Kruse, Nürnberger Nachrichten
Verhärtet, humorlos, fanatisch-fahl war Wagenbach nie. Es ist bezeugt, wie er Ende der 70er-Jahre in süddeutschen Universitätsstädten für totale Verwirrung sorgte. Da bereiste er, um Unterstützung für seinen Verlag zu finden, die linken Buchhandlungen im Land, und seine Vorstellungen vom Sozialismus umriss er so: er wolle nicht nur zwei oder drei Käsesorten wie in der DDR, sondern zweihundert oder dreihundert wie in Italien. Dieser Gedanke, so fremd und abwegig er zunächst schien, bewegte einiges. Wagenbach steht für ein linkes Bürgertum im Geist des französischen Citoyen, dessen Parolen von „Freiheit, Gleichheit, Bürgerlichkeit" er nicht müde wird einzufordern. Sein gesamtes Wirken hat etwas damit zu tun, dass die deutsche Linke, im Gegensatz zu fast allen anderen Ländern Europas , wie er sagt, nicht auf begrenzte Bündnisse mit einem liberalen oder konservativen Bürgertum zählen kann, weil in Deutschland solch ein Bürgertum so gut wie nicht existent sei. Hier wird ein Nerv getroffen. Wagenbachs Bürgertum hat mit der aktuellen deutschen, gelegentlich etwas verschmockten Hinwendung zu adäquaten Krebs- und Hummer-Besteck, preußisch-steifem Aufrechtstehen und durchaus oft dünkelhaftem Konservativismus nicht das Geringste zu tun. Klaus Wagenbach ist ein deutsches Vorbild. Helmut Böttiger, Deutschlandradio
In einer Verlagslandschaft, in der das klassische Lektorat kaum noch vorkommt, in der stattdessen Verlagsmanager, Vertriebsfachleute oder Werbespezialisten das Sagen haben, wirkt der Wagenbach-Verlag wie ein Solitär. Er kämpft tapfer seine Unabhängigkeit, während sich andere namhafte Verlage von großen Medienkonzernen haben schlucken lassen – zu einem hohen Preis: Die Spekulation auf höhere Renditen führt zielsicher in die inhaltliche Verarmung und Austauschbarkeit der Programme. Heute droht dem Buchhandel eine Diktatur der literarisch inkompetenten Geschäftemacher. Niemand hat in den letzten Jahren so lautstark davor gewarnt wie Klaus Wagenbach. [...] Michael Bienert, Stuttgarter Zeitung
Die Prinzipien, auf die er 1964 seinen Verlag gründete – Hedonismus, Anarchie, Geschichtsbewusstsein – sind ihm nach wie vor heilig. Denn aller Italienleidenschaft zum Trotz, die sich im Klaus Wagenbach Verlag seit vielen Jahren niederschlägt, hat der Begründer der Toskana-Fraktion und notorische Rote-Socken-Träger ja eine deutsche und somit politische Vergangenheit. Darüber gibt jetzt ein Sammelband vielfach Auskunft, den der Verlag zu Wagenbach achtzigstem Geburtstag in gewohnt bibliophiler Manier mit rotem Leineneinband und händisch aufgeklebtem Foto des Jubilars herausbringt: „Die Freiheit des Verlegers". Es ist ein schillerndes Konvolut zur kulturellen und geistigen Geschichte der Bundesrepublik. [...] Klaus Wagenbach hat als Verleger Literatur- und Kunstgeschichte geschrieben. Sandra Kegel, FAZ
Wenn der Wagenbach-Verlag nun zum achtzigsten Geburtstag seines Gründers einen dickleibigen Band mit dessen „Erinnerungen, Festreden, Seitenhieben" vorlegt, ist klar, dass fast alle unübersehbaren, unüberschaubaren Facetten seines Wesens vorkommen. Die „Kafka-Witwe" ist genauso präsent wie der linke Kommunarde der sechziger Jahre, dessen „Grabrede für Ulrike Meinhof" in politisch extrem aufgeladener Zeit ein erstaunliches Zeugnis für intellektuelle Unbestechlichkeit darstellt. Der unabhängige Westberliner, der als erster Verleger nach dem Bau der Mauer programmatisch ein gesamtdeutsches Profil anstrebt und mit Johannes Bobrowski einen Jahrhundertlyriker entdeckt, kommt genauso ins Blickfeld wie der listige Italiensucher, der mit Pasolinis „Freibeuterschriften" im Jahr 1978 mitten in der Kakophonie der bundesdeutschen Linken einen Paukenschlag setzt und einen ungeahnten Rhythmuswechsel einleitet. Helmut Böttiger, Süddeutsche Zeitung
Klaus Wagenbach ist alles andere als ein „einfacher" Zeitgenosse. Seine Dickköpfigkeit, sein gutes Gedächtnis und seine Streitlust werden von seinen „Feinden" gefürchtet. Da er die Fähigkeit hat, noch die gröbsten Anschuldigungen mit der unschuldigsten Miene vorzutragen, müssen seine Gegner auf der Hut sein. Wenn er „Bourgeoisie" ruft, darf man nicht wegschauen. Zu seinen Freunden ist er generös und auf strenge Weise gütig. Aber auch wer ihn nicht mag, sollte ihn mögen. Und wer sich nicht einmal das zugestehen möchte, sollte wenigstens die Bücher lesen, die seinen Namen tragen, als Autor und als Verleger. [...] Michael Krüger, Süddeutsche Zeitung
Wagenbach, das steht für ein provokantes Einmischen in öffentliche Debatten, aber auch für die Liebe zur Sprache. Engagement und Ästhetik – etwas, das leider allzu häufig auseinanderfällt. Bei Wagenbach ist das eine nicht ohne das andere zu denken und er verkörpert beides mit fröhlicher Vehemenz. Wiebke Porombka, taz
Wagenbach hat als passionierter Büchermacher oft viel riskiert. Und er ist stets unabhängig geblieben, programmatisch wie ökonomisch. Mit in der Regel kleinen Auflagen behauptet er sich seit Jahrzehnten erfolgreich gegen die Diktatur des Marktes. In den 70er-Jahren hatte er sich zudem gegen das Zensurbegehren der Staatsmacht zu wehren – und sich dem Versuch seiner linken Genossen zu widersetzen, den Verlag auf Linie des Kollektivs zu bringen. Rückblickend liest sich das alles wie eine Posse. Und man freut sich dabei, dass Wagenbach sich – damals wie heute – souverän hinwegsetzt über autoritäre Denkgewohnheiten. Er hält nichts von „dogmatischen Linkshabern", ihm geht es immer um Ästhetik und Politik, Hedonismus und Geschichtsbewusstsein. NDR Kultur |
Die Freiheit des Verlegers Erinnerungen, Festreden, Seitenhiebe ![]() ISBN 978-3-8031-363-9 erschienen 2010 |

