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Pressestimmen
Unter dem Titel Ein Kräcker unterm Kanapee legt Bennett, von Ingo Herzke präzis übersetzt, sechs hinreißende, bizarre Schicksale vor. Beispielsweise jenes von Graham, der mit über vierzig Jahren immer noch bei seiner Mutter wohnt und eifersüchtig über deren amouröse Abenteuer mit Mr. Turnbull wacht; sie lässt sich sogar dazu hinreißen, Kaffee statt Tee zu trinken! Mit Witz und Heitersinn präsentieren sie uns eine Welt von Spinnern, in denen wir uns durchaus selbst erkennen dürfen.
Manfred Papst, Neue Zürcher Zeitung
„Wir mögen lieber Tee", weist Graham den Jugendfreund seiner 72-jährigen Mutter zurecht, als Mr. Turnbull die Frau Mama zum Kaffee einladen möchte. „Mir ist nach ein bisschen Abenteuer", überrascht die Mutter den Sohn. „Ich nehme Kaffee." So leitet Alan Bennett Katastrophen ein. In seinem gerade auf Deutsch erschienenen Bändchen Ein Kräcker unterm Kanapee wirft er wieder kleine spitze Pfeile in den britischen Alltag. Altmodisch wirken seine Figuren in den sechs Kurzgeschichten – und doch spürt man: Menschen wie diese sind auch heute noch unter uns. Graham etwa, das Muttersöhnchen. Er kann es nicht glauben, dass seine Mutter einen Neuen hat. Der will sie auch noch auf die Kanaren mitnehmen! Oder Doris mit Herzschrittmacher und Schwindel steigt auf die Anrichte, weil natürlich die Putzhilfe wieder nicht richtig geputzt hat. Nach dem Sturz bleibt ihr nur noch ein Kräcker unterm Kanapee. Und Miss Ruddock, die mit ihrem Füllfederhalter bewaffnet Fehler benennt. Die Briten in den Kurzgeschichten kommen nicht zum Luft holen. Sie bleiben in den gesellschaftlichen Zwängen und in ihren Ansprüchen, ihrem Denken fest geschnürt. Während ihrer Monologe merken sie selbst gar nicht, was ihr Problem ist. Miss Ruddock meint den Menschen zu helfen, dabei braucht sie in ihrer Einsamkeit selbst Hilfe. Und Doris möchte es ja nur reinlich haben, dabei wischt sie sich und ihren Mann fort. Aber ohne Tragik keine Komik. So traurig die Schicksale auch sind, der brillante Beobachter Bennett lässt den Leser mehr lachen als weinen. So klug spickt er den Text mit Ironie.
Maren Schürmann, Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Das Geheimnis der Texte Bennetts ist erstens der in alle Situationen unendlich liebevolle Umgang des Autors mit seinen Figuren. Ihre Würde wird bis zuletzt gewahrt. Mit subtilem Humor und eleganten Witzen schildert Bennett die skurrilsten, mitunter schreiend-, bald darauf tragikomischen Schicksale, Beziehungen und Lebenskrisen, doch sind es niemals die Figuren, über die man lacht – und wenn doch, so kann man sich sicher sein, dass sie mitlachen würden. Zweitens geht Bennett in seinen Geschichten weit über deren britisch-humorvolle Oberfläche hinaus. Die Monologe legen die Wunden grundguter Charaktere offen, an denen das Leben vorbeigebraust ist. Sie sind hinter den Selbstverwirklichungsansprüchen anderer zurückgeblieben und von einer Erfolgsgesellschaft ausgeschlossen.
Isabella Pohl, Der Standard
Auch wenn dieser Satz zu Recht unter Klischeeverdacht steht: Es gibt ihn, den typisch englischen Humor, und sein Hexenmeister heißt Alan Bennett. Vor zwei Jahren landete er mit dem Bändchen Die souveräne Leserin einen solchen Überraschungserfolg, dass der Verlag mittlerweile schon bei Auflage Nummer vier angelangt ist. Und auch sein neuester Streich ist unbedingt empfehlenswert. Diese Erzählungen sind in Wahrheit Monologe, ihre Helden sind kurios und verschroben, und fast alle haben ein Geheimnis, das sie ganz nebenbei enthüllen. Ironisch, skurril und auch für Leser geeignet, die eigentlich keine Erzählungen mögen.
Katharina Mahrenholtz, NDR Info
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 ISBN 978-3-8031-126-2 erschienen 2010 |