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Die frühesten schriftlichen Zeugnisse Nordafrikas bezeichnen die Menschen aus
dem Inneren des Kontinents als schwarz: Der griechische Begriff »äthiopisch«
(der auch von den Römern verwendet wurde und sich auf keine bestimmte Region
Afrikas bezieht) bedeutet »verbranntes Gesicht«. Das arabische Wort für die
Regionen südlich der Sahara – Bilad- es-Sudan – ist mit »Land der Schwarzen« zu
übersetzen. Die Menschen aus anderen Regionen des Mittelmeerraums, die diese
Beobachtungen machten, kamen erst im 1. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung
hierher, also lange nachdem die Sahara wieder eine Dürrezone geworden war, die
die nördliche Hälfte Afrikas in zwei ganz eigene Gebiete unterteilte. Zu dieser
Zeit, wie auch heute, hatten die einheimischen Populationen der Mittelmeerküste
und ihres unmittelbaren Hinterlands – die sogenannten Berber oder Libyer – einen
bräunlichen Teint. Die Hautfarbe derjenigen aus südlicheren Gebieten war
dagegen sehr viel dunkler, und auch die Textur ihrer Haare und ihre Gesichtszüge
ließen sie als »schwarze« Afrikaner erscheinen. Skelettteile und saharische Felszeichnungen aus der Zeit der neolithischen Besiedelung
zeigen jedoch unterschiedliche Typen, die dieselben Regionen bewohnten.
Nachdem das Klima wieder trockener geworden war, drangen Berber sprechende
Menschen aus dem Mittelmeerraum mit Pferden und später Kamelen in die Wüste
vor und entwickelten sich sowohl zahlenmäßig als auch vom Einfluss her zu ihrer
beherrschenden Population. Dies waren die Vorfahren der Beduinen, die den größten
Teil der Sahara bis in die Moderne hinein kontrollieren sollten. Zu der Zeit,
als die Beduinen in die Wüste kamen, hatte sich die große Mehrheit der früheren
Sahara- Population jedoch schon in wirtlichere Gefilde weiter südlich zurückgezogen.
Die Abkömmlinge dieser Emigranten sind heute alle dunkelhäutig, doch einige
von ihnen waren eindeutig mediterraner und nicht tropischer Herkunft.

Sahara
Tausend Jahre Austausch von Ideen und Waren
Leseprobe
ISBN 978-3-8031-364-5
erschienen 2012