Mäusefest

Mäusefest

Erzählungen

SALTO. 2017
144 Seiten. 11 x 20 cm. Fadengeheftet. Rotes Leinen
17,– €
ISBN 978-3-8031-1325-2
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Diese Erzählungen, allen voran die berühmteste, »Mäusefest«, sind eine große Hommage an die ostpreußische Heimat, ein melancholisches Begreifen des Unheils, das die Nazis brachten, und eine frühe Darstellung der Unbehaustheit in der veränderten Welt.

Da sitzt er noch immer, Moise, wie wir ihn schon aus den Schulbüchern kennen, auf seinem Stühlchen in seinem kleinen Laden und freut sich an seinen Mäusen, die im silbernen Mondlicht ein Fest feiern und um die ihnen zugedachte Brotrinde tanzen. Und als der junge Soldat hereinkommt, ein deutscher Milchbart, der mal sehen will, wie das Judenvolk haust, meldet sich noch immer ein Kloß in unserem Hals, denn wir wissen, was Moise vorerst nur ahnt.

Auf nur viereinhalb Seiten hat Johannes Bobrowski das ganze Elend beschrieben, das der deutsche Einmarsch in Polen mit sich brachte – leise, aber umso beharrlicher sich im Gedächtnis verankernd.

Die zweiundzwanzig Erzählungen, als Quarthefte 3 und 29 bei Wagenbach erschienen, ziehen ihre Kraft aus den weiten Landschaften des Ostens, die in stillen, klaren Bildern vor den Augen des Lesers stehen. Sie sind mit allerlei eigenwilligen Menschen bevölkert, die Bobrowski freundlich beobachtet, deren Witz er sprechen lässt und die er in eindrückliche Szenen verwickelt – über allem die leise Bedrohung des Bevorstehenden. Und er erzählt von den Verwüstungen, den inneren und äußeren, die die Zeit hinterlassen hat, immer noch freundlich, aber auch melancholisch.

Johannes Bobrowski

© Roger Melis

Johannes Bobrowski

Johannes Bobrowski wurde 1917 als Sohn eines Eisenbahnbeamten in Tilsit geboren. Nach dem Abitur in Königsberg studierte er Kunstgeschichte in Berlin, wurde jedoch 1939 einberufen. Im Russlandfeldzug entstanden seine ersten Gedichte. Erst 1949 kehrte er aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft nach Ostberlin zurück, wo er als Lektor arbeitete, zunächst im Altberliner Verlag Lucie Groszer, ab 1959 im Union Verlag. Seine ersten Gedichte erschienen einzeln ab 1955. 1961 – ein Jahr nach seinem ersten Auftritt in Westdeutschland auf Einladung der Gruppe 47 – folgte der erste Band »Sarmatische Zeit«. Für das Gedicht »Im Strom« wurde er 1962 mit dem Alma-Johanna-König-Preis ausgezeichnet; im selben Jahr wurde ihm zudem der Preis der Gruppe 47 verliehen. Seit Mitte der sechziger Jahre veröffentlichte er auch Prosa, darunter den Erzählungsband »Mäusefest« sowie die Romane »Levins Mühle« und »Litauische Claviere«. Bobrowski starb 1965 in Berlin.

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