Die Freiheit des Verlegers

Die Freiheit des Verlegers

Erinnerungen, Festreden, Seitenhiebe

Geburtstagsformat

Sachbuch. 2010
352 Seiten. Gebunden mit Schildchen
19,90 €
ISBN 978-3-8031-3632-9
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Die wichtigsten Texte aus fünf Jahrzehnten, größtenteils erstmals publiziert: Über Bücher und Autoren, über Politik und die deutschen Verhältnisse, über Italien, die Kunst und die Mutter.

Klaus Wagenbach ist einer der letzten aus einer Generation von unabhängigen, eigenwilligen und leidenschaftlichen Verlegern; ein linker, aber undogmatischer Kopf, der nicht vor den Konsequenzen politischen Handelns zurückschreckt; und ein früher und bis heute unerschütterlicher Liebhaber Italiens.
Außerdem: ein heiterer Geschichtenerzähler, ein eifriger Vorwortschreiber, ein freudig erwarteter Festredner, aber auch einer, der gern widerspricht, wenn die öffentliche Meinung jemanden moralisch und politisch gar zu korrekt schlachten will.
Der Band sammelt Texte Klaus Wagenbachs über Italien (einschließlich Kunstgeschichte), Politik, das Leben und die Zukunft der Bücher und über einzelne Autoren. Ein Großteil der Texte ist bisher nicht veröffentlicht, wichtige Zeitdokumente wie die Grabrede für Ulrike Meinhof wurden jedoch ebenfalls aufgenommen.
Und schließlich erst jüngst entstandene biographische Geschichten: Vom gegen die Nazis rebellierenden Großvater, der reformbewegten Mutter, dem Vater, der nur Latein, Griechisch und Hebräisch konnte; darüber, wer und wie nach dem Krieg die Demokratie aufbaute, warum Kollektive träumen und Frauen besser kommunizieren können.

Susanne Schüssler

Susanne Schüssler

Susanne Katharina Schüssler, geboren 1962 in München, beendete 1991 ihr Studium der Germanistik, Kommunikationswissenschaften und des Verlagsrechts an der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität mit Promotion. Nach dem Abitur einjähriges Volontariat im Carl Hanser Verlag, dann einige Jahre dort als Werkstudentin. Längere Auslandsaufenthalte und Verlags- und Buchhandelspraktika in New York, Paris, Köln. Ab 1990 in Berlin, seit 1991 im Verlag Klaus Wagenbach, seit 2002 Verlagsleiterin, seit 2015 alleinige Gesellschafterin. Mitglied des Verwaltungsrats der VG Wort und des Präsidiums der Erich-Fried-Gesellschaft. Herausgeberin verschiedener Anthologien, wie der Fortschreibung von Vaterland, Muttersprache (1994/2004), Djuna Barnes Hinter dem Herzen (1996), SALTO 100 (2001), Berlusconis Italien - Italien gegen Berlusconi (2002), Guten Morgen, ihr Schönen (2003), Liebe nach Mitternacht (2004), Signora, Signorina (2005), Klaus Wagenbach. Die Freiheit des Verlegers (2009). Verheiratet mit Klaus Wagenbach.

Klaus Wagenbach

© Christian Thiel, imago stock & people, Berlin

Klaus Wagenbach

Klaus Wagenbach, geboren 1930 in Berlin und dort aufgewachsen. Ab 1949 absolvierte er eine Lehre in den Verlagen Suhrkamp und S. Fischer; neben seinem Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Archäologie in München und Frankfurt am Main war er Hersteller im S. Fischer Verlag. Nach der Promotion wurde Klaus Wagenbach 1957 Lektor im Modernen Buch-Club Darmstadt, ab Ende 1959 Lektor für deutsche Literatur im S. Fischer Verlag. Im Herbst 1964 gründete er in Berlin den bis heute unabhängigen Verlag Klaus Wagenbach. Die Leitung des Verlags übergab er Anfang 2002 an Susanne Schüssler. Klaus Wagenbach lebt in Berlin.


Preise und Auszeichnungen

2010  Kurt Wolff Preis für das Lebenswerk

2006  Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln
2006  Ehrendoktorwürde der Universität Urbino, Italien
2006  Ardinghello-Preis, Florenz
2006  Rahel Varnhagen von Ense-Medaille der Stadt Berlin
2002  Kythera-Preis
2002  Ritter der französischen Ehrenlegion
2001  Großes Bundesverdienstkreuz
2000  Ehrenmitglied des Berlin-Brandenburgischen Verleger- und Buchhändlerverbandes
1999  Hugo-Ball-Literaturpreis
1995  Astrolabio d'oro, Pisa
1994  Honorarprofessor für Neuere deutsche Literatur an der Freien Universität Berlin
1990  Bundesverdienstkreuz
1990  Premio nazionale per la traduzione
1987  Cavaliere del merito
1982  Premio Montecchio
1979  Kritikerpreis


Publikationen

Als Autor

Die Freiheit des Verlegers. Erinnerungen, Festreden, Seitenhiebe. Berlin (Wagenbach) 2010

Kafkas Prag. Ein Reiselesebuch. Berlin (Wagenbach) 1993
Franz Kafka. Bilder aus seinem Leben. Berlin (Wagenbach) 1983. Neuausgabe 1989. Erweiterte Neuausgabe 1994. Vollständig überarbeitete und erweiterte Neuausgabe 2008
Eintritt frei. Beiträge zur öffentlichen Meinung. Darmstadt (Luchterhand) 1982
Franz Kafka in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek (Rowohlt) 1964. Neuausgabe 2002
Franz Kafka. Eine Biographie seiner Jugend. Bern (Francke) 1958. Neuausgabe 2006

   

Als Herausgeber

Dino Buzzati, Aus Richtung der unsichtbaren Wälder. Erzählungen. Berlin (Wagenbach) 2010

Andrea Camilleri, Italienische Verhältnisse. Berlin (Wagenbach) 2008

Mein Italien, kreuz und quer. Berlin (Wagenbach) 2004
Warum so verlegen? Über die Lust an Büchern und ihre Zukunft. Berlin (Wagenbach) 2004
Alberto Moravia, Ach, die Frauen! Die schönsten Erzählungen. Berlin (Wagenbach) 2003
Günter Grass, Wörter auf Abruf. 77 Gedichte. Berlin (Wagenbach) 2002
Die weite Reise. Mittelmeergeschichten. Berlin (Wagenbach) 2002
Umberto Eco. Mein verrücktes Italien. Verstreute Notizen aus vierzig Jahren. Berlin (Wagenbach) 2000
Nach Italien! Anleitung für eine glückliche Reise. Berlin (Wagenbach) 2000
Wie der Hund und der Mensch Freunde wurden. Italienische Kindergeschichten. Berlin (Wagenbach) 1999
Italo Calvino. Der verzauberte Garten. Die schönsten Erzählungen. Berlin (Wagenbach) 1998
Luigi Malerba. Närrische Welt. Berlin (Wagenbach) 1997
Wieso Bücher? Berlin (Wagenbach) 1994
Franz Kafka, Ein Landarzt. Kleine Erzählungen. Mit einem Bericht über Siegfried Löwy, Landarzt in Triesch. Berlin (Wagenbach) 1994/1999
Amore! Geschichten und Gedichte von der Liebe. Berlin (Wagenbach) 1994/1997
Peter Rühmkorf. Komm raus! Gesänge, Märchen, Kunststücke. Berlin (Wagenbach) 1992
Italienische Liebesgeschichten. Berlin (Wagenbach) 1991
Deutsche Orte. Berlin (Wagenbach) 1991
Johannes Bobrowski, Im Strom. Gedichte und Prosa. Berlin (Wagenbach) 1989
Das Schwarze Brett. Ein Lesebuch mit Geschichten, Bildern und Gedichten aus 25 Jahren. Berlin (Wagenbach) 1989
Erich Fried. Gründe. Eine Auswahl aus dem Gesamtwerk. Gedichte. Berlin (Wagenbach) 1989
Giorgio Manganellis Lügenbuch. Berlin (Wagenbach) 1987
Stephan Hermlin. Traum der Gemeinsamkeit. Berlin (Wagenbach) 1985
Christa Reinig. Feuergefährlich. Berlin (Wagenbach) 1985
Fintentisch. Ein Almanach. Geschichten, Bilder und Gedichte aus 20 Jahren. Berlin (Wagenbach) 1984
Karnickel, Karnickel. Handbuch für das allgemeine Kaninchenwesen anläßlich hundertfacher Vermehrung der Taschenbücherei. Berlin (Wagenbach) 1983
Tintenfisch. Zweibändige Neuausgabe 1967-1976. Berlin (Wagenbach) 1981
Lesebuch. Deutsche Literatur zwischen 1945 und 1959. Berlin (Wagenbach) 1980/1993
Jetzt schlägt's 13. Deutsche Literatur aus 13 Jahren. Berlin (Wagenbach) 1977
Franz Kafka. In der Strafkolonie. Berlin (Wagenbach) 1975/1995
Lesebuch. Deutsche Literatur der sechziger Jahre. Berlin (Wagenbach) 1968/1994/1997
Atlas. Deutsche Autoren und ihr Ort. Berlin (Wagenbach) 1965/2004
Kafka-Symposion. Datierung, Funde, Materialien. Berlin (Wagenbach) 1965
Das Atelier 1,2. Deutsche Lyrik und Prosa der Gegenwart. Frankfurt am Main (Fischer Bücherei) 1962/1963
Mendele Mocher Sfurim. Werke. Olten (Walter) 1961
Paul Celan. Gedichte. Eine Auswahl. Frankfurt am Main (S. Fischer) 1961


Als Mitherausgeber

Hundert Gedichte aus der DDR. Berlin (Wagenbach) 2009

Kafkas Fabriken. Marbacher Magazin Nr. 100. Marbach 2002
Erich Fried. Eine Chronik. Berlin (Wagenbach) 1998
Freibeuters Lockbuch. Berlin (Wagenbach) 1994
Erich Fried. Gesammelte Werke in vier Bänden. Berlin (Wagenbach) 1993/1998
Kopfnuß. Jahrbuch für deutsche Essays. Berlin (Wagenbach) 1993-1995
Deutsche Demokratische Reise. Berlin (Wagenbach) 1989
Friedrich Dürrenmatt. Wiederholte Versuche, die Welt auszumisten. Berlin (Wagenbach) 1988
Lesebuch. Deutsche Literatur der siebziger Jahre. Berlin (Wagenbach) 1984/1995
Freibeuter. Vierteljahreszeitschrift für Kultur und Politik. Berlin (Wagenbach) 1979-1999
Das Grips-Theater. Geschichte und Geschichten, Erfahrungen und Gespräche aus einem Berliner Jugendtheater. Berlin (Wagenbach) 1979
Vaterland, Muttersprache. Deutsche Schriftsteller und ihr Staat seit 1945. Berlin (Wagenbach) 1979. Erweiterte Neuauflage 1994
Tintenfisch, Jahrbuch für deutsche Literatur. Berlin (Wagenbach) 1968-1987


Als Vorleser

Wie komme ich über die Alpen? Nach Italien! Berlin (Wagenbach) 2001. CD/MC
Franz Kafka. Ein Landarzt und andere Erzählungen. Berlin (Wagenbach) 1999. Gleichzeitig als CD/MC
Italienische Schriftsteller erzählen. Geschichten für kleine und große Kinder. Berlin (Wagenbach) 1998. CD/MC


Wichtige Aufsätze zur Verlagsgeschichte und zur verlegerischen Arbeit

Michelangelos Stein. In: Wendelin Wiedeking, Das Davidprinzip. Macht und Ohnmacht der Kleinen. Berlin (Wagenbach) 2003
Nachwort: André Schiffrin, Verlage ohne Verleger. Über die Zukunft der Bücher. Berlin (Wagenbach) 2000
Nachwort: Peter Brückner, Ulrike Marie Meinhof und die deutschen Verhältnisse. Berlin (Wagenbach) 1995
Das Individuum als Kollektiv, und umgekehrt. In: Freibeuter 10. Ungleichheit, Brüderlichkeit. Berlin (Wagenbach) 1981

Pressestimmen

Er ist klein, aber unübersehbar. Auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig kennt ihn jeder. Nicht nur der keck zwischen Hose und Schuh hervorleuchtende roten Socken wegen. Klaus Wagenbach ist einer, dem man sich nicht entziehen kann. Listig funkelt der Blick durch die Brillengläser. Und jede längere Satzperiode endet in koboldhaftem Lachen. Mokiert sich da ein freier Geist über den Widersinn der Welt? Oder kichert er über sich selbst? Es trifft wohl beides zu. [...]
Klaus Wagenbach ist ein lebendes Paradox. Ein Arbeitstier, aber auch ein Bonvivant. Unbändiger Leser, gemächlicher Weintrinker. Die Sehnsucht nach dem Süden hat ihn angetrieben, seit er als Jüngling mit dem Fahrrad durch Italien zog. Lange bevor die Toskana von deutschen Zahnärzten und Juristen erobert wurde, sicherte er sich baufälliges Haus in den Bergen bei Siena. Er hat es nicht protzig renoviert. Es fügt sich gut ins Landschaftsbild ein.
Unterm Strich hat Klaus Wagenbach – trotz Schicksalsschlägen wie dem Krebstod seiner zweiten Frau – Glück gehabt. Er hat Aberhunderten von guten, schönen Büchern auf die Welt geholfen.

Manfred Papst, NZZ am Sonntag

 

„Der Verlag ist unabhängig und macht davon Gebrauch." Unbeirrt kämpft Wagenbach weiter gegen die zunehmende Banalisierung in der modernen Medienwelt. Die Freiheit des Verlegers, heißt denn auch ein dickes, natürlich rotes Buch, das Wagenbachs dritte Frau und seit 2002 Verlagsleiterin Susanne Schüssler herausgegeben hat [...]. Es enthält Erinnerungen, Essays, Kommentare, Festreden und Seitenhiebe des Verlegers aus 50 Jahren. Keine lahme und lobhudelnde Festschrift, sondern kluge, engagierte, empörte, witzige und hellsichtige Texte, die uns vor allem eines klar machen: Persönlichkeiten wie Klaus Wagenbach prägen mit ihren kleinen unabhängigen Verlagen unsere Bücherwelt stärker und nachhaltiger, als anonyme, rein profitorientierte Verlagskonzerne mit ihrer für den Tag gemachten Massenware.

Dirk Kruse, Nürnberger Nachrichten

 

Verhärtet, humorlos, fanatisch-fahl war Wagenbach nie. Es ist bezeugt, wie er Ende der 70er-Jahre in süddeutschen Universitätsstädten für totale Verwirrung sorgte. Da bereiste er, um Unterstützung für seinen Verlag zu finden, die linken Buchhandlungen im Land, und seine Vorstellungen vom Sozialismus umriss er so: er wolle nicht nur zwei oder drei Käsesorten wie in der DDR, sondern zweihundert oder dreihundert wie in Italien. Dieser Gedanke, so fremd und abwegig er zunächst schien, bewegte einiges. Wagenbach steht für ein linkes Bürgertum im Geist des französischen Citoyen, dessen Parolen von „Freiheit, Gleichheit, Bürgerlichkeit" er nicht müde wird einzufordern. Sein gesamtes Wirken hat etwas damit zu tun, dass die deutsche Linke, im Gegensatz zu fast allen anderen Ländern Europas , wie er sagt, nicht auf begrenzte Bündnisse mit einem liberalen oder konservativen Bürgertum zählen kann, weil in Deutschland solch ein Bürgertum so gut wie nicht existent sei. Hier wird ein Nerv getroffen. Wagenbachs Bürgertum hat mit der aktuellen deutschen, gelegentlich etwas verschmockten Hinwendung zu adäquaten Krebs- und Hummer-Besteck, preußisch-steifem Aufrechtstehen und durchaus oft dünkelhaftem Konservativismus nicht das Geringste zu tun. Klaus Wagenbach ist ein deutsches Vorbild.

Helmut Böttiger, Deutschlandradio

 

In einer Verlagslandschaft, in der das klassische Lektorat kaum noch vorkommt, in der stattdessen Verlagsmanager, Vertriebsfachleute oder Werbespezialisten das Sagen haben, wirkt der Wagenbach-Verlag wie ein Solitär. Er kämpft tapfer seine Unabhängigkeit, während sich andere namhafte Verlage von großen Medienkonzernen haben schlucken lassen – zu einem hohen Preis: Die Spekulation auf höhere Renditen führt zielsicher in die inhaltliche Verarmung und Austauschbarkeit der Programme. Heute droht dem Buchhandel eine Diktatur der literarisch inkompetenten Geschäftemacher. Niemand hat in den letzten Jahren so lautstark davor gewarnt wie Klaus Wagenbach. [...]
Als Wagenbach vor drei Jahren einen Rede zum achtzigsten Geburtstag von Günter Grass hielt, schloss er mit den Worten, jener habe „die Bundesrepublik ziviler, freier und demokratischer gemacht, kurz: bewohnbarer". Der streitbare Verleger hat das Seine dazugetan.

Michael Bienert, Stuttgarter Zeitung

 

Die Prinzipien, auf die er 1964 seinen Verlag gründete – Hedonismus, Anarchie, Geschichtsbewusstsein – sind ihm nach wie vor heilig. Denn aller Italienleidenschaft zum Trotz, die sich im Klaus Wagenbach Verlag seit vielen Jahren niederschlägt, hat der Begründer der Toskana-Fraktion und notorische Rote-Socken-Träger ja eine deutsche und somit politische Vergangenheit. Darüber gibt jetzt ein Sammelband vielfach Auskunft, den der Verlag zu Wagenbach achtzigstem Geburtstag in gewohnt bibliophiler Manier mit rotem Leineneinband und händisch aufgeklebtem Foto des Jubilars herausbringt: „Die Freiheit des Verlegers". Es ist ein schillerndes Konvolut zur kulturellen und geistigen Geschichte der Bundesrepublik. [...] Klaus Wagenbach hat als Verleger Literatur- und Kunstgeschichte geschrieben.

Sandra Kegel, FAZ

 

Wenn der Wagenbach-Verlag nun zum achtzigsten Geburtstag seines Gründers einen dickleibigen Band mit dessen „Erinnerungen, Festreden, Seitenhieben" vorlegt, ist klar, dass fast alle unübersehbaren, unüberschaubaren Facetten seines Wesens vorkommen. Die „Kafka-Witwe" ist genauso präsent wie der linke Kommunarde der sechziger Jahre, dessen „Grabrede für Ulrike Meinhof" in politisch extrem aufgeladener Zeit ein erstaunliches Zeugnis für intellektuelle Unbestechlichkeit darstellt. Der unabhängige Westberliner, der als erster Verleger nach dem Bau der Mauer programmatisch ein gesamtdeutsches Profil anstrebt und mit Johannes Bobrowski einen Jahrhundertlyriker entdeckt, kommt genauso ins Blickfeld wie der listige Italiensucher, der mit Pasolinis „Freibeuterschriften" im Jahr 1978 mitten in der Kakophonie der bundesdeutschen Linken einen Paukenschlag setzt und einen ungeahnten Rhythmuswechsel einleitet.

Helmut Böttiger, Süddeutsche Zeitung

 

Klaus Wagenbach ist alles andere als ein „einfacher" Zeitgenosse. Seine Dickköpfigkeit, sein gutes Gedächtnis und seine Streitlust werden von seinen „Feinden" gefürchtet. Da er die Fähigkeit hat, noch die gröbsten Anschuldigungen mit der unschuldigsten Miene vorzutragen, müssen seine Gegner auf der Hut sein. Wenn er „Bourgeoisie" ruft, darf man nicht wegschauen. Zu seinen Freunden ist er generös und auf strenge Weise gütig. Aber auch wer ihn nicht mag, sollte ihn mögen. Und wer sich nicht einmal das zugestehen möchte, sollte wenigstens die Bücher lesen, die seinen Namen tragen, als Autor und als Verleger. [...]
In einer Zeit, in der fast alle großen Buch-Verlage sich unter die schützenden Fittiche von Konzernen geflüchtet haben, ist er ein Vorbild an Unabhängigkeit. „Freibeuter" hieß die Zeitschrift, die er zwanzig Jahre lang herausgegeben hat. Ein Name, der zu ihm passt.
Übrigens kann er lange und ausdauernd lachen. Dass ihm dies nicht vergeht, wünscht ihm zum Geburtstag sein alter „Tintenfisch"-Mitherausgeber

Michael Krüger, Süddeutsche Zeitung

 

Wagenbach, das steht für ein provokantes Einmischen in öffentliche Debatten, aber auch für die Liebe zur Sprache. Engagement und Ästhetik – etwas, das leider allzu häufig auseinanderfällt. Bei Wagenbach ist das eine nicht ohne das andere zu denken und er verkörpert beides mit fröhlicher Vehemenz.

Wiebke Porombka, taz

 

Wagenbach hat als passionierter Büchermacher oft viel riskiert. Und er ist stets unabhängig geblieben, programmatisch wie ökonomisch. Mit in der Regel kleinen Auflagen behauptet er sich seit Jahrzehnten erfolgreich gegen die Diktatur des Marktes. In den 70er-Jahren hatte er sich zudem gegen das Zensurbegehren der Staatsmacht zu wehren – und sich dem Versuch seiner linken Genossen zu widersetzen, den Verlag auf Linie des Kollektivs zu bringen. Rückblickend liest sich das alles wie eine Posse. Und man freut sich dabei, dass Wagenbach sich – damals wie heute – souverän hinwegsetzt über autoritäre Denkgewohnheiten. Er hält nichts von „dogmatischen Linkshabern", ihm geht es immer um Ästhetik und Politik, Hedonismus und Geschichtsbewusstsein.

NDR Kultur

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