Der letzte Patriarch

Der letzte Patriarch

Aus dem Katalanischen von Isabel Müller

Quartbuch. 2011
352 Seiten. Gebunden mit Schutzumschlag
22,90 €
ISBN 978-3-8031-3235-2
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Ein bitterböser Abgesang auf das Patriarchat – und ein fesselnder Familienroman über drei Generationen, zwischen gestern und heute, zwischen der arabischen und der westlichen Welt. Temporeich und unterhaltsam, und dennoch ein Buch, das niemanden gleichgültig lässt.

Es ist die Geschichte einer beispiellosen Emanzipation. Der Blick der Heldin, der aufsässigen Tochter, ist unerbittlich; sie rekonstruiert das Leben des Vaters, um sich über sich selbst klar zu werden: Was hat Mimoun Driouch damals in der marokkanischen Provinz eigentlich so alles getrieben? Bloß Ziegen gehütet, die Cousine Fatma bezirzt und das tugendhafteste Mädchen des Dorfes geheiratet? Doch wieso hat sich Mimoun dann auf den Weg nach Spanien gemacht?

Dort wird aus ihm ein erfolgreicher Kleinunternehmer, der es auf beleibte Spanierinnen abgesehen hat. Selbst als er die gesamte Familie nach Katalonien nachkommen lässt, gehen die Frauengeschichten weiter – bis die Tochter sich nicht mehr länger den Mund verbieten lassen will: Je mehr der Roman sich nach Europa verlagert, desto stärker wird sie – und desto schwächer der vermeintlich übermächtige Vater.

Najat El Hachmi verrät ihre vielschichtigen, eigenwilligen Figuren nie, stellt ihre Schwächen aber schonungslos bloß. Jenseits aller Klischees und Stereotypen zeugen sie von der Komplexität der Welt, in der wir alle leben.

ORF1-Interview mit der Autorin hier.

Najat El Hachmi

Najat El Hachmi, 1979 in Marokko geboren und in Katalonien aufgewachsen, hat erstmals 2004 mit dem vieldiskutierten Essay Jo també sóc catalana (Auch ich bin Katalanin) von sich reden gemacht. 2008 gewann sie mit Der letzte Patriarch überraschend den Premi Ramon Llull, den wichtigsten und höchstdotierten katalanischen Literaturpreis. Der Roman wurde bereits in zahlreiche Sprachen übersetzt.

»Ein wunderbares, ein notwendiges Buch. Es kommt gerade zur rechten Zeit. Dies Buch einer jungen Autorin trägt aus sehr persönlicher Perspektive dazu bei, dem Leser den Sturz der Patriarchen begreiflicher zu machen.« Ernst Osterkamp, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Pressestimmen

»Der Leser gerät gleich mit den ersten Sätzen des Romans unwiderstehlich in den Bann eines Erzählens, das sich durch eine ungeheure Konkretheit und Sinnlichkeit auszeichnet und damit seine eigene Programmatik mühelos dadurch überspielt, dass es dichteste Lebensrealität gestaltet. In diesem Buch wird nicht allein sinnlich und sachlich, sondern auch gänzlich unsentimental erzählt. Nicht zuletzt daraus zieht der Roman seine verstörende Kraft. Aus dem stilistischen Gestus gewinnt die Erzählung ihre Lebensfrische und Direktheit, die noch gesteigert wird durch die von staunenswerter Empathie zeugende Fähigkeit der Autorin, sich ungerührt in die befremdlichsten männlichen Seelenlagen hineinzudenken. Eindringlich erzählt Najat El Hachmi davon, welche Verstörungen und Orientierungskrisen aus der Kollision der dörflich-islamisch-marokkanischen und der städtisch-säkular-spanischen Kultur für die Erzählerin erwachsen.
Ein wunderbares, ein notwendiges Buch. Es kommt gerade zur rechten Zeit. Dies Buch einer jungen Autorin trägt aus sehr persönlicher Perspektive dazu bei, dem Leser den Sturz der Patriarchen begreiflicher zu machen.«

Ernst Osterkamp, Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

»Von der Doppelschneidigkeit des Aufwachsens des Patriarchen berichtet El Hachmi mit wunderbarer Plastizität, ganz vertraut mit dem geschilderten und sich doch auf Distanz haltend, manchmal heiter, manchmal brutal realistisch, immer aber nahe an ihren Figuren. Ohne diesem von Isabel Müller wunderbar übersetzten Roman zu viel aufbürden zu wollen, illustriert er doch auch, was in den letzten Monaten in Nordafrika geschieht: Die Aufständischen bedienen sich der Sprache, die zuvor lediglich ein Mittel der Unterdrückung war. Die Vertreter des alten patriarchalen Systems – ob sie Mimoun heißen oder Mubarak oder Ben Ali – scheinen endlich ausgedient zu haben.«

Ulrich Rüdenauer, Süddeutsche Zeitung


»Najat El Hachmi, in Marokko geboren und in Katalonien aufgewachsen, kennt allem Anschein nach sehr genau, worüber sie schreibt. Dieser Roman über drei Generationen einer marokkanischen Familie wird geschildert aus der gnadenlosen, unbestechlich scharfsinnigen Perspektive der heranwachsenden Tochter. In seiner psychologischen Genauigkeit und Vielfältigkeit der ethnologischen Beobachtungen könnte dieser Roman jede soziologische Studie ersetzen. Dies alles aber wird präsentiert voller Komik und Drastik, mal in ironisch lakonischer Sprache, mal mit der Musikalität und Pracht arabischer Erzählkunst. Najat El Hachmis Abrechnung mit dem Patriarchat könnte schärfer nicht ausfallen, eingeschlossen den Anteil der Frauen daran. Allerdings zeigt sie auch genau die fatalen Strukturen, in denen die Frauen gefangen sind, die es für viele nach wie vor unmöglich machen, sich aus der Tradition der Ehr- und Schicklichkeitsbegriffe zu befreien. Es ist ein mutiges Buch, ein erschütterndes Dokument.«

Barbara von Becker, BR Bayern

 

»Psychologisch scharf beobachtend, die Spannungskurve ab der Mitte stetig steigernd, erfindet der Roman ohne falschen Idealismus eine drastische Möglichkeit, um eine so brutale wie rückständige Erziehungsdoktrin auszuhebeln. Die Dramaturgie ist schlicht, die Sprache im Stil mündlicher Überlieferung im ersten Teil mit einem Pluralis Majestatis versehen. Die mythologische Aura, die dadurch entsteht, wird dem Erzählten absichtlich wie eine Narrenkappe aufgesetzt. Die Autorin weiß um das Netz von Lügen in der Überlieferung. Die Art, wie sie ihre idiosynkratischen Prinzipien, die beinahe so nervig wie die von Thomas Bernhard sein können, ausstellt, überzeugt gegen Ende immer mehr als Methode. Für die Übersetzung hat Isabel Müller einen absolut eingängigen, zart-bissigen Sprachstil gefunden.«

Astrid Kaminski, Berliner Zeitung

 

»Leichter, selbstmitleidsloser und zugleich beunruhigender und bitterböser hat schon lange niemand mehr über die Befreiung aus den alptraumhaften Klauen des Patriarchats geschrieben. Dieser durchkomponierte Ton, der den autobiografisch inspirierten Roman der 1979 in Marokko geborenen und in Katalonien aufgewachsenen Schriftstellerin trägt, dieser kraftvolle Ton, der sich allmählich in ihrem Kopf kristallisierte, ist bereits Teil der Befreiung aus dem unglaublichen Martyrium einer Familienhölle. Vor dem Hintergrund der Entmachtung der alten Patriarchen in Nordafrika – bei der Frauen und moderne Kommunikation eine Schlüsselrolle spielen – handelt es sich bei diesem furiosen Bildungsroman schlichtweg um die Buchsensation des Frühlings der Revolten.«

Gabi Scholz, Missy Magazine

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