Sahara

Sahara

Tausend Jahre Austausch von Ideen und Waren

Aus dem Englischen von Matthias Wolf

Sachbuch. 2012
224 Seiten. Gebunden mit Schildchen und Prägung. Mit vielen Abbildungen und Karten
24,90 €
ISBN 978-3-8031-3643-5
Vergriffen. Als WAT-Ausgabe erhältlich.

Durch kahle Ebenen, Plateaus und Felsbrocken wurden seit dem Mittelalter wichtige Handelsstraßen angelegt: Von der Blütezeit der Kamelkarawanen bis zur Eisenbahnlinie zwischen Sudan und Atlantik fanden Waren, Ideen und Weltbilder auf diesen Wegen ihre Verbreitung – ein früher Meilenstein der Globalisierung.

Man stellt sich die Sahara (arabisch für »Wüste«) als unermessliche Sandwüste vor, doch besteht sie zu großen Teilen aus unwegsamem Geröll. Das riesige Gebiet trennt die Länder des südlichen Mittelmeerraums vom tropischen Afrika. Seit dem 7. Jahrhundert wurde hier einer der wichtigsten Handelswege zwischen Nord und Süd gebahnt – eine historische Verkehrsader, die ihre Bedeutung bis Mitte des 20. Jahrhunderts behielt. Die Seewege entdeckte man erst nach und nach, und so wurden materielle Güter, Ideen und kulturelle Neuheiten über tausend Jahre lang zunächst mit Kamelkarawanen, später – forciert durch die europäischen Kolonialmächte – auf Eisenbahngleisen transportiert: Gold und Sklaven in den Norden, und mittelmeerische, vor allem islamische Kultur in den Süden. Der Islam brachte Afrika nicht nur ein Rechtssystem, das die Grundlage aller künftigen Handelsbeziehungen bildete, sondern auch Alphabetisierung und einen kosmopolitischen Wissensspeicher, wodurch das Gebiet zwischen Atlantik und Rotem Meer zu einem Zentrum der afrikanischen Welt wurde. Eine – in angelsächsischer Tradition – glänzend geschriebene Kulturgeschichte Afrikas, sorgfältig ausgestattet und mit zahlreichen Bildern und Karten illustriert.

Als WAT-Ausgabe erhältlich

Ralph A. Austen

Ralph A. Austen

Ralph A. Austen ist emeritierter Professor für Afrikanische Geschichte an der University of Chicago und Autor zahlreicher Bücher über die Geschichte und Literatur Afrikas, über Sklavenhandel und Kolonialismus. Austen lehrte an verschiedenen Universitäten in Afrika, Frankreich, Deutschland und Israel.

»Ein unglaublich dichtes Werk, eine konzise historische, wirtschaftliche und kulturelle Darstellung der Sahara-Randgebiete und ihres Austauschs untereinander.« Günther Wessel, Deutschlandradio Kultur

Leseprobe

Die frühesten schriftlichen Zeugnisse Nordafrikas bezeichnen die Menschen aus
dem Inneren des Kontinents als schwarz: Der griechische Begriff »äthiopisch«
(der auch von den Römern verwendet wurde und sich auf keine bestimmte Region
Afrikas bezieht) bedeutet »verbranntes Gesicht«. Das arabische Wort für die
Regionen südlich der Sahara – Bilad- es-Sudan – ist mit »Land der Schwarzen« zu
übersetzen. Die Menschen aus anderen Regionen des Mittelmeerraums, die diese
Beobachtungen machten, kamen erst im 1. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung
hierher, also lange nachdem die Sahara wieder eine Dürrezone geworden war, die
die nördliche Hälfte Afrikas in zwei ganz eigene Gebiete unterteilte. Zu dieser
Zeit, wie auch heute, hatten die einheimischen Populationen der Mittelmeerküste
und ihres unmittelbaren Hinterlands – die sogenannten Berber oder Libyer – einen
bräunlichen Teint. Die Hautfarbe derjenigen aus südlicheren Gebieten war
dagegen sehr viel dunkler, und auch die Textur ihrer Haare und ihre Gesichtszüge
ließen sie als »schwarze« Afrikaner erscheinen. Skelettteile und saharische Felszeichnungen aus der Zeit der neolithischen Besiedelung
zeigen jedoch unterschiedliche Typen, die dieselben Regionen bewohnten.
Nachdem das Klima wieder trockener geworden war, drangen Berber sprechende
Menschen aus dem Mittelmeerraum mit Pferden und später Kamelen in die Wüste
vor und entwickelten sich sowohl zahlenmäßig als auch vom Einfluss her zu ihrer
beherrschenden Population. Dies waren die Vorfahren der Beduinen, die den größten
Teil der Sahara bis in die Moderne hinein kontrollieren sollten. Zu der Zeit,
als die Beduinen in die Wüste kamen, hatte sich die große Mehrheit der früheren
Sahara- Population jedoch schon in wirtlichere Gefilde weiter südlich zurückgezogen.
Die Abkömmlinge dieser Emigranten sind heute alle dunkelhäutig, doch einige
von ihnen waren eindeutig mediterraner und nicht tropischer Herkunft.

Pressestimmen

»Die Sahara ist mit einer Fläche von etwa neun Millionen Quadratkilometern die größte Wüste der Erde – ein schwer zu durchdringendes Gebiet. Trotzdem zogen immer schon Karawanen kreuz und quer durch Sand und Geröll von Kairo nach Timbuktu und nach Marrakesch. Sie transportierten nicht nur Waren, sie dienten vor allem auch dem kulturellen Austausch, wie Ralph Austen, emeritierter Professor für Afrikanische Geschichte, eindrucksvoll belegt. Ihm ist mit seinem Buch über den Trans-Sahara-Handel ein unglaublich dichtes Werk gelungen, eine konzise historische, wirtschaftliche und kulturelle Darstellung der Sahara-Randgebiete und ihres Austauschs untereinander. Austens gut fundierte These: Die Sahara bildete keine Barriere zwischen den Ländern des Mittelmeerraumes und der Sahel, sondern eine Brücke.«

Günther Wessel, Deutschlandradio Kultur

 

»Austen unterstreicht in seinem lebhaft erzählten Bericht überzeugend seine These, dass die Sahara nicht nur für Abstand sorgte, sondern auch eine Verbindung zwischen Nord und Süd darstellte. Die zahlreichen Bilder, vor allem auch Karten erleichtern in der teilweise etwas verwirrenden Vielfalt der über Jahrhunderte entstandenen und untergegangenen Reiche, die Austen ausführlich beschreibt, die Übersicht. Die schöne Leinenausstattung in Sahara-Beige mit Schildchen und Prägung entspricht wie immer dem hohen Anspruch des Wagenbach Verlags an die Buchherstellung, passt allerdings in diesem Fall besonders hervorragend zum Thema.«

Westdeutscher Rundfunk

 

»Nur wenige wissen, wie viel die Geschichte des Kulturraumes Sahara uns über heutige Konflikte beibringen kann, etwa zwischen westlichen Industriestaaten und dem Islam. Die Geschichte der größten Wüste der Welt und der mit ihr verbundenen Kulturen und Nationen ist nun in dem äußerst lesbaren und schön gestalteten Buch ‚Sahara' von Ralph Austen zu erfahren, von der Urzeit bis zur Dekolonialisierung.«

Roman Herzog, Südwestrundfunk

 

»Durch detaillierte Beschreibungen, Bilder und Karten nimmt der Autor den Leser mit auf eine virtuelle Reise vom maurischen Marokko über das Reich von Mansa Musa in Mali durch die libysche Wüste zum Sokoto-Kalifat im Sudan. Austen hinterfragt alte und präsentiert neue Forschungsergebnisse. Er räumt in diesem spannend geschriebenen Buch auch mit einer Reihe falscher Vorstellungen über die Geschichte Nordafrikas auf, die in den Köpfen vieler verankert sind. Austen versucht, jahrhundertealte Vorurteile über die Sahara und ihre Bewohner abzubauen sowie die Gegenüberstellung von Europäern als Zivilisierten und Afrikanern als Barbaren anzufechten.«

Hamed Abdel-Samad, Kulturaustausch

 

»Ein so überraschendes wie gelehrtes Buch, das auf kleinem Raum höchst informativ von der bekanntesten Unbekannten der Welt erzählt – und zwar vom fünften Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung bis in die Gegenwart hinein.«

Jacques Schuster, Die Welt

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