Faschist werden

Faschist werden

Eine Anleitung

Aus dem Italienischen von Julika Brandestini

Politik. 11.4.2019
112 Seiten. 11 x 15 cm. Broschiert
Buch 7,– € / E-Book 4,99 €
ISBN 978-3-8031-3686-2
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Die Demokratie muss weg. Und die Alternative steht schon bereit. Michela Murgias virtuose, hochaktuelle Satire verunsichert, provoziert und wirft die Frage auf: Wie faschistisch sind Sie?

Die Demokratie ist mühsam, fehlerhaft und instabil. Entscheidungsprozesse sind langwierig, kompliziert und teuer, politische Parteien kaum zu unterscheiden. Zu viele Beteiligte müssen gefragt, möglichst alle Minderheiten einbezogen werden. Wäre da eine volksnahe Führung mit mehr Entscheidungsfreiheit nicht wirkungsvoller? Ist der Faschismus nicht effizienter in der Durchsetzung zentraler Ziele für das gesellschaftliche Zusammenleben? Oder warum sonst wurden in jüngster Zeit so viele populistische Regierungen gewählt?
»Faschist werden« beschreibt, wie man sich innerhalb der Demokratie in Position bringen kann, wie man über die sozialen Medien das demokratische Chaos vorführt und welche argumentativen Muster zu beachten sind.
Michela Murgia hat eine provozierende Polemik über die italienische und europäische Gegenwart verfasst – und auch im deutschsprachigen Raum sollen politische Gegner, wenigstens rhetorisch, »gejagt« oder »entsorgt« werden. Geschichtsrevisionistische Vorstöße häufigen sich, sozial Schwache werden gegen Geflüchtete ausgespielt. Und der Grat zwischen solidarischem und reaktionärem Denken ist oft schmaler als gedacht – auch in uns selbst.
Mit Faschistometer zum Selbsttest.

Michela Murgia

© Basso Cannarsa

Michela Murgia

Michela Murgia wurde 1972 in Cabras (Sardinien) geboren. Bei Wagenbach erschienen der SALTO-Band »Elf Wege über eine Insel« sowie im Taschenbuch »Camilla im Callcenterland« und »Murmelbrüder«. Ihr Erfolgsroman »Accabadora« wurde in 25 Sprachen übersetzt und auf Deutsch bereits über 150.000 Mal verkauft.

Leseprobe

Ich schreibe gegen die Demokratie an, weil sie ein seit ihren Anfängen heillos fehlerhaftes Regierungssystem ist. Es stimmt nicht, was Winston Churchill gesagt hat: Die Demokratie sei die schlechteste aller Regierungsformen – abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind. In Wahrheit ist sie schlicht und ergreifend die schlechteste und nichts weiter, aber es ist immer schwierig, das offen zu sagen, obwohl die alltägliche Erfahrung es doch eindeutig beweist.

Das Buch, das ihr in Händen haltet, ist nicht nur entstanden, um zu zeigen, dass die Demokratie völlig unbrauchbar ist, ja sogar schädlich für die Gemeinschaft, sondern auch, um nachzuweisen, dass ihre bewährteste Alternative – der Faschismus – eine wesentlich bessere, kostensparendere und effizientere Art staatlicher Organisation darstellt. Dieser Text soll vor allem eine Verständnishilfe für die gebildete Schicht sein, die der Demokratie überdrüssig geworden ist, denn der breiten Masse musste man schließlich noch nie erklären, dass der Faschismus die ­überlegenere ­Alternative ist. Mit der verborgenen Weisheit der einfachen Leute kehrt man im Volk, enttäuscht vom Unvermögen des demokratischen Systems, die Probleme der Menschen zu lösen, regelmäßig auf beinahe natürliche Weise zum Faschismus zurück.

Ich sage bewusst »beinahe«, denn zuweilen muss der Faschismus ein wenig nachhelfen, um sich durchzusetzen; historisch gesehen neigen Demokratien zu Anfang ihres allmählichen Niedergangs dazu, dem Faschismus gegenüber sehr feindselig zu sein und ihre Ablehnung auf jede noch so schamlose Weise zu organisieren, zum Beispiel durch Gesetze, die ihn verbieten sollen. Zum Glück ist der Faschismus geduldig. Er ist wie Herpes – wie immer sind die primitiven organischen Strukturen diejenigen, von denen man am meisten lernen kann –, der ganze Jahrzehnte in den Nervenwurzeln der Demokratie überdauern kann, als wäre er gänzlich verschwunden, um dann bei der ersten vorhersehbaren Schwäche des Immunsystems vernichtender denn je hervorzubrechen.

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