Camilla im Callcenterland

Camilla im Callcenterland

Aus dem Italienischen von Julika Brandestini

WAT [667]. 2011
144 Seiten. Broschiert
9,90 €
ISBN 978-3-8031-2667-2
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Eine amerikanische Staubsaugerfirma mit den Geschäftsmethoden einer Sekte: Michela Murgia schildert ihre Erfahrungen als Angestellte eines Callcenters.

Ehe Michela Murgia zur gefeierten Romanautorin (Accabadora: 40.000 verkaufte Exemplare) wurde, verschlug es sie unter anderem in ein Callcenter, wo sie am Telefon überrumpelten Hausfrauen Kirby-Staubsauger verkaufen sollte. Dass Callcenter zu den prekärsten Arbeitsplätzen gehören, ist bekannt – Murgia beschreibt ihren sadistischen Alltag aber aus eigener Erfahrung: die stereotypen Telefonsätze, die halbseidenen Werbestrategien, die Hierarchien innerhalb der Firma und die billigen Motivationstechniken, mit denen zuerst die jungen Telefonistinnen und dann die möglichen Kundinnen der Firma auf den Leim gehen sollen. Alles höchst amüsant – freilich fügt Murgia in einem Nachwort hinzu, dass sie selbst kein bisschen darüber lachen kann. Ihr Buch sei aus der Wut über diese unwürdigen Arbeitsverhältnisse entstanden, und als Zeugnis dieser Wut möchte sie es verstanden wissen: eigentlich kein Roman, sondern ein Exorzismus.

Michela Murgia

© Basso Cannarsa

Michela Murgia

Michela Murgia wurde 1972 in Cabras (Sardinien) geboren. Bei Wagenbach erschienen der SALTO-Band »Elf Wege über eine Insel« sowie im Taschenbuch »Camilla im Callcenterland« und »Murmelbrüder«. Ihr Erfolgsroman »Accabadora« wurde in 25 Sprachen übersetzt und auf Deutsch bereits über 150.000 Mal verkauft.

»Murgia ist mit ‚Camilla im Callcenterland‘ ein umwerfend komisches Buch gelungen, zum Totlachen – würde es nicht das existenzielle Drama einer ganzen Generation offenbaren.« Felice Balletta, Nürnberger Zeitung

Pressestimmen

»Michela Murgias jüngstes Buch ist eine ebenso bissige wie treffliche Abrechnung mit dem alltäglichen Psychoterror im Callcenter-Betrieb. Murgia, Jahrgang 1972 und studierte Theologin, hat diesen Wahnsinn selbst erlebt. Im Jahr 2006 arbeitete sie einen Monat lang im Callcenter der Kirby, und zwar nicht als weiblicher Wallraff, undercover in geheimer Mission, sondern einfach, weil sie Geld brauchte. Um nicht verrückt zu werden, begann die Autorin ihre Erlebnisse in einem Blog zu verarbeiten. Das daraus entstandene Buch wurde in Italien ein Verkaufsschlager und löste hitzige Debatten aus; schnell wurde Murgia zum Sprachrohr des italienischen Prekariats erklärt. Die in ‚Camilla im Callcenterland' referierten Episoden rangieren zwischen urkomisch und todtraurig – wobei ersteres bei Weitem überwiegt. Das Buch bietet eine perfekte Anleitung in Sachen verbaler Überredungskunst, andererseits aber auch wertvolle Tipps, um sich gegen ‚Telefonvergewaltigungen' zur Wehr zu setzen. Die Nahaufnahmen aus dem Callcenteralltag sind durchaus amüsant, unterhaltsam und möglicherweise auch hilfreich. Allerdings bliebe all das letztendlich ziemlich belanglos, wenn sich die Autorin nicht hin und wieder von ihrer persönlichen Betroffenheit lösen und die übergreifenden Mechanismen prekärer Arbeit analysieren würde. Wo sie dies tut, erhebt sich das Buch aus einer oberflächlichen Ironisierung des Alltags und das Lachen bleibt dem Leser im Halse stecken. In ihrem engagierten Nachwort zieht Michela Murgia ein treffendes Fazit über eine Welt, die eine komplette Identifikation mit den Zielen und Idealen der Erwerbsarbeit verlangt. Dass dieses System der umfassenden Ausbeutung menschlicher Ressourcen keineswegs auf die Arbeit im Callcenter oder auf die sogenannten prekären Tätigkeiten beschränkt bleibt, ist eine offene Hypothese, die dem Buch vermutlich auch hierzulande seinen verdienten Erfolg bescheren wird.«

Anja Kümmel, Weser Kurier

 

»Welch tiefgreifende Spuren die neoliberale Wirtschaftspolitik der Ex-regierung von Silvio Berlusconi im Arbeitsleben vieler Italiener hinterlassen hat, zeigt Michela Murgia in ihrem autobiografisch motivierten Roman ‚Camilla im Callcenterland'. Mit rabenschwarzem Humor beschreibt Murgia die Perfidie vordergründig motivationsfördernder Teamgespräche und ausgeklügelter Prämiensysteme, die letztlich nichts anderes sind als emotionale Erpressungen. An Camillas Beispiel beschreibt Murgia nicht nur Formen und Auswüchse moderner Halbsklaverei und die fragwürdigen Methoden subtiler (Selbst-)Ausbeutung, sondern entblößt zugleich den aktuellen moralischen Zustand der italienischen Gesellschaft. Murgia ist mit ‚Camilla im Callcenterland' ein umwerfend komisches Buch gelungen, zum Totlachen – würde es nicht das existenzielle Drama einer ganzen Generation offenbaren.«

Felice Balletta, Nürnberger Zeitung

 

»‚Camilla im Callcenterland' ist ein satirischer Roman, in dem eine Figur namens Camilla ihre Erlebnisse in einem Callcenter der tatsächlich existierenden US-amerikanischen Staubsaugerfirma Kirby schildert. Was Murgia einer literarischen Untersuchung unterzieht, ist die Arbeitswelt im neoliberalen Kapitalismus. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass sie ihre Schilderungen ins Grotesk-Komische übersteigert hat, aber es ist wohl eher ihrer ethnologisch präzisen Beobachtung und auch klugen Beschreibung geschuldet, dass die keineswegs nur in der Callcenterbranche entsetzlichen Arbeitsverhältnisse so drastisch in Erscheinung treten können.«

Barbara Eisenmann, Südwestrundfunk

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