Die 23 Tage der Stadt Alba
Erzählungen
Übersetzt von Edoardo Costadura, Charlotte Eggers, Marco Menicacci, Olaf Müller, Simone Rude, Sandra Stuwe
192 Seiten. 12 x 21 cm. Gebunden
Das Debüt des wichtigsten Chronisten der Resistenza: Unaufdringlich, trocken-ironisch und ohne Heldenpathos erzählt Beppe Fenoglio von den Szenen eines Bürgerkriegs – und vom Leben danach.
2.000 Partisanen nehmen im Oktober 1944 die Stadt Alba im Piemont ein. Aufgrund fehlender Unterstützung durch die Alliierten müssen sie schon 23 Tage später einer faschistischen Übermacht nachgeben. Einer der antifaschistischen Kämpfer war Beppe Fenoglio. Wenige Jahre später veröffentlichte er diesen Erzählungsband, in dem er seine Erfahrungen in der Resistenza verarbeitete. Es sind nüchterne, ernüchterte, nur gelegentlich episch-burleske Geschichten vom Kampf der politisch oft uneinigen Partisanen gegen Mussolini-Anhänger und deutsche Besatzungstruppen. Die zweite Hälfte des Bandes erzählt vom bäuerlichen Leben im »sogenannten Frieden«, von der Nachkriegsverlorenheit und der Hoffnung auf einen Neuanfang in Fenoglios Herkunftslandschaft, den Langhe im Piemont. Die Erstübersetzung der meisten dieser Geschichten wird ergänzt um ein Nachwort und einen Kommentar zum historischen Kontext. Die Herausgeber und Übersetzer legen bei der ersten vollständigen, im Kollektiv entstandenen Übertragung von Fenoglios Debüt besonderen Wert auf die stilistischen Eigenheiten des Originals. Fenoglio wollte die Sprache der piemontesischen Bauern und Partisanen möglichst präzise abbilden und nutzte dafür ein leicht verfremdetes, literarisches Alltagsitalienisch.
Beppe Fenoglio
Beppe (Giuseppe) Fenoglio wurde als Sohn eines Metzgers 1922 in Alba, Provinz Cuneo, geboren. Er studierte Philologie an der Universität Turin und begann früh, aus dem Englischen zu übersetzen. 1944 schloss er sich den Partisanen an. Nach dem Krieg arbeitete er für eine Weinexportfirma, was ihm Zeit fürs Schreiben ließ. Seine Erfahrungen im Widerstand prägten Fenoglios Texte maßgeblich. Er veröffentlichte in den fünfziger Jahren mehrere Erzählungen und Romane und arbeitete als Übersetzer. 1963 starb er in Turin.
Er hinterließ weitere Werke wie beispielsweise »Partigiano Johnny«, die erst postum erschienen und große Verbreitung fanden. Die Bedeutung seiner Texte wurde erst nach seinem Tod erkannt. Fenoglio gilt heute als wichtigster Zeuge der italienischen Resistenza und als einer der größten Autoren der Nachkriegszeit. In Italien gehört er zur Schullektüre. Bei Wagenbach erschien eine Auswahl seiner Erzählungen unter dem Titel »Das Geschäft mit der Seele«.
