Drei Frauenleben

Drei Frauenleben

Sachbuch
24. April 1996

396 Seiten. Halbleinen

29,50 €
ISBN 978-3-8031-3584-1
vergriffen

Das Leben dreier faszinierender Frauen, die in der frühen Neuzeit ihren eigenen Weg auch ohne Männer gefunden haben.

Weibliche Selbstverwirklichung in der frühen Neuzeit: Das Leben dreier ungewöhnlich selbständiger und erfolgreicher Frauen. Frauen aus drei religiösen Gemeinschaften, von verschiedener sozialer Herkunft, die mit unterschiedlichem Temperament und wechselhaftem Glück ihren Lebensweg gegangen sind:
Eine jüdische Großhändlerin aus Hamburg, die auch als Witwe in ganz Europa Geschäfte tätigt.
Eine Französin, die ihren Sohn preisgibt, nach Kanada aufbricht und die Indianer missioniert.
Eine Frankfurterin, die sich scheiden läßt, um in Mittelamerika die Flora und Fauna zu erforschen.
Natalie Zemon Davis gelingt es, die Missverständnisse mancher (männlicher) Zeitgenossen aus dem Weg zu räumen und sie durch ein mustergültiges Beispiel historischer Frauenforschung zu ersetzen.

Natalie Zemon Davis

© Schenkelbach

Natalie Zemon Davis

Natalie Zemon Davis wurde 1928 in Detroit geboren. Sie promovierte 1959 an der Universtity of Michigan und unterrichtete unter anderem in Providence, Toronto, Berkeley, Paris, Princeton und Oxford. Schwerpunkte ihrer Forschung sind die Sozial- und Kulturgeschichte des 16. Jahrhunderts in Frankreich und der frühen Neuzeit Europas. Aufgrund ihrer Arbeiten kommt ihr der Rang einer Vordenkerin der interdisziplinären Kulturwissenschaft zu. Durch ihre Forschungen im Bereich von Humanismus und Reformation, Frauengeschichte und Gender Studies sowie der Jüdischen Geschichte wurde sie zu einer der international führenden Vertreterinnen ihres Faches. Zemon Davis hat die Ehrendoktorwürde mehrerer Universitäten erhalten und wurde mit zahlreichen Preisen, unter anderem 2001 mit dem Aby-M.-Warburg-Preis und 2010 mit dem Internationalen Holberg-Gedenkpreis, ausgezeichnet. Seit ihrer Emeritierung 1996 lebte sie als freie Schriftstellerin in Toronto, wo sie am 21. Oktober 2023 verstarb.

»Natalie Zemon Davis ist es gelungen, im Dialog mit der Vergangenheit lebendige Geschichte zu schreiben.« Paul Burghard, Frankfurter Rundschau

Pressestimmen

»Dieses Meisterstück moderner Geschichtsschreibung kann man nicht oft genug lesen. Nicht nur, weil es Natalie Zemon Davis gelingt, die besonderen Schwierigkeiten und Chancen von Frauen in der Frühen Neuzeit dadurch aufzudecken, dass sie der geschlechtsspezifischen Besonderheit ihrer Lebensbedingungen Rechnung trägt, sondern auch, weil sie beispielhaft vorführt, wie beredt Quellen sein können, wenn man sie nicht auf ihren vermeintlich faktischen Gehalt reduziert. Drei Frauen unterschiedlichen Glaubens, die ungewöhnliche Zeugnisse hinterließen und ungewöhnliche Leben führten, haben in Natalie Zemon Davis ihre große Biographin gefunden.«

Rebekka Habermas, Süddeutsche Zeitung

»“Ihr seid alle zu neuen Ufern aufgebrochen, habt versucht, etwas zu tun, was niemand vor Euch getan hat”, sagt Natalie Zemon Davis im Prolog zu ihren drei Protagonistinnen. Nach der Lektüre des Buches möchte man hinzufügen: Diese verbindende Leidenschaft für Neues und Unerprobtes führt die drei Autorinnen aus dem 17. Jahrhundert in so unterschiedliche Gefilde, dass wenig Gemeinsamkeiten bleiben. Hieraus resultiert eine große Spannung. Dass Natalie Zemon Davis diese in einer Mischung aus Gelehrsamkeit und literarisierender Darstellung offen hält, macht den Reiz dieses Buches aus.«

Barbara Hahn, Die Zeit

»Natalie Zemon Davis hat drei Frauenleben exemplarisch für die Möglichkeit und die Grenzen weiblicher Identität und Lebensgestaltung in der Frühen Neuzeit herausgegriffen – 'femmes fortes', starke Frauen mit außergewöhnlichen, 'ex-zentrischen' Schicksalen, die aber dennoch Rückschlüsse auf die 'alltäglichen' Besonderheiten der weiblichen Lebensführung zulassen. Der Blick auf das 'Ex-zentrische' dieser Frauen ermöglicht eine neue und ebenso überraschende wie relativierende Sicht auf die politischen, sozialen und kulturellen Zentren der Zeit und belegt einmal mehr, wieviel die Geschichtsschreibung von diesem 'neuen Blick' profitieren kann, den die Frauen- und Geschlechtergeschichte seit etwa zwanzig Jahren erprobt.«

Claudia Opitz, Neue Zürcher Zeitung

»Davis wechselt immer wieder die Seiten, spitzt die historische Rekonstruktion auf einzelne Figuren oder Knotenpunkte zu, die die Handlungsweisen der drei Frauen und ihre Selbstwahrnehmung vorgeben, aber im Laufe der Zeit auch von ihnen überschritten werden. Der Blick auf die Möglichkeiten, die sich den Frauen in einem bestimmten Moment eröffnen oder nicht, beleuchtet die Waghalsigkeit ihrer Unternehmungen, ihre Leidenschaften und Wünsche besser, als es die bloße Darstellung von Fakten vermöchte.«

Helga Meise, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Natalie Zemon Davis erzählt Geschichten und stellt es den Lesern frei, welche Schlüsse sie ziehen. Sie folgt dabei einem Verfahren, das sie ihren Protagonistinnen zuschreibt. Wenn die Missionarin und die Forschungsreisende von Bräuchen der Indianerinnen erzählen, werden sie fremden Leben in seiner Vieldeutigkeit gerecht, wo der Glaube oder die Vernunft ein eindeutiges Urteil fordern. Und Gklickls moralische Geschichten über Schiffbrüchige und Königssöhne sind moralisch, gerade weil sie sich auf keine Moral beziehen lassen.

In ihren früheren Büchern hat Natalie Zemon Davis gerne mit dem Gedanken gespielt, dass in jeder historischen Erzählung ein Stück Fiktion steckt. Die Historikerin reproduziert nicht einfach die Vergangenheit. Sie lässt drei Frauen ein lebhaftes Gespräch führen, die einander in Wirklichkeit vielleicht nichts zu sagen gewusst hätten.«

Patrick Bahners, Deutschlandfunk

»Davis' Biographien sind schillernde Panoramen frühneuzeitlicher Lebenswelten, in die Chancen und Risiken, Möglichkeiten und Grenzen weiblicher Individualität in der Vormoderne ebenso behutsam wie kunstvoll eingezeichnet wurden. 'Vielleicht', 'wahrscheinlich', 'möglicherweise', Vokabeln, die auf jeder Seite zu finden sind, belegen nicht die Unsicherheit der Historikerin, sondern weisen im Gegenteil auf die kreative Fähigkeit hin, Geschichte als Möglichkeitsform zu schreiben. Wie es wirklich oder auch anders gewesen sein könnte – das ist eine erkenntnisleitende Frage, die Natalie Davis bei ihren Arbeiten schon immer vorantrieb. Natalie Davis ist es in der Tat gelungen, im Dialog mit der Vergangenheit lebendige Geschichte zu schreiben.«

Paul Burgard, Frankfurter Rundschau

»Natalie Zemon Davis' Buch, das nicht zuletzt durch anschauliches Bildmaterial, reichhaltige Anmerkungen und einen ansehnlichen Einband zur Lektüre einlädt, führt den Nachweis einer weiter zu erkundenden, spezifisch europäischen Frauengeschichte.«

Birgit Seemann, Hessischer Rundfunk

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