
208 Seiten. 14 x 22 cm
Oft gilt die Moderne als Epoche, in der nicht mehr das einzigartige meisterhafte Kunstwerk im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, sondern die Selbstproduktion der Künstler: von körperbasierten Performances bis hin zur zunehmenden Bedeutung künstlerischer Selbstinszenierung. Im Schatten dieser Auflösung des Werkbegriffs hat indes ein anderes Phänomen seinen Aufstieg erlebt: das Œuvre als imaginierte und vorweggenommene Summe aller Werke.
Inzwischen kreist ein wesentlicher Teil des zeitgenössischen Kunstmarkts um die Vorstellung eines Lebenswerks: Retrospektiven sind Publikumsmagneten, der Nachlasshandel ist zum lukrativen Geschäft für Galerien geworden, und die Künstler selbst produzieren mit Blick aufs – oft erst posthum zu erfassende – Ganze.
In ihrem glänzenden Essay erzählt Barbara Wittmann, wie es zu dieser Karriere des Gesamtwerks kam: von einem gezeichneten Gemäldeverzeichnis im 17. Jahrhundert über erste Personalmuseen und die Entstehung des Urheberrechts hin zur Frühgeschichte der Retrospektive bei William Blake, Gustave Courbet und anderen.

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Barbara Wittmann, 1971 in Wien geboren, ist seit 2018 Professorin für Kunstgeschichte, Kunstwissenschaft und Kunsttheorie an der Universität der Künste in Berlin. Sie habilitierte sich 2014 an der Bauhaus-Universität Weimar mit einer Arbeit zur Kultur- und Wissensgeschichte der Kinderzeichnung. 2013 erhielt sie den Wissenschaftspreis der Aby-Warburg-Stiftung.