Die tiefen Flüsse

Die tiefen Flüsse

Aus dem peruanischen Spanisch von Suzanne Heintz

WAT [670]. 2019
288 Seiten. Broschiert
Buch 13,90 € / E-Book 10,99 €
ISBN 978-3-8031-2670-2
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Wer Peru literarisch kennenlernen will, muss Arguedas lesen: Sein Meisterwerk »Die tiefen Flüsse« ist ein interkultureller Bildungsroman, ebenso indianisch wie westlich geprägt.

Jahrelang ist Ernesto mit seinem Vater, einem mittellosen Anwalt, von einem Dorf zum nächsten gereist. Dem Kindesalter entwachsen, kommt er schließlich auf ein katholisches Internat in der Provinzhauptstadt Abancay, hoch oben in den Anden. Dort ist zum Beispiel Añuco, der Sohn des verarmten Großgrundbesitzers, der zusammen mit dem Kraftprotz Lleras die jüngeren Schüler malträtiert; Palacitos, ein scheuer, kaum des Spanischen mächtiger Indio; Gerardo, der Sohn des Militärkommandeurs; Ántero, der Ernesto mit der Magie eines Kreisels verzaubert, dessen sphärischer Klang den Schulhof erfüllt und zum letzten Mal unbeschwerte Kindheit vorgaukelt. Denn des Nachts wird derselbe Schulhof zu einem düsteren, unheimlichen Ort, wo sich die schwachsinnige Küchenmagd den älteren Schülern hingibt. Arguedas zeichnet sie als Vorbotin der Katastrophe, die über Abancay und das Internat hereinbricht – und in der allein Ernesto einen kühlen Kopf bewahrt.

José María Arguedas

© Baldomero Pestana

José María Arguedas

José María Arguedas, geboren 1911 in Andahuaylas (Peru), gehört zu den großen Vergessenen der lateinamerikanischen Boom-Literatur. Er war Ethnologe und der prominenteste Vertreter des literarischen Indigenismus. In Romanen wie »Die tiefen Flüsse«, die ihn zu einem bekannten Autor machten, versuchte er die indigene Tradition Perus mit der dominanten westlich geprägten Kultur zu versöhnen. Seine Romane verfasste er auf Spanisch, seine Lyrik hingegen auf Quechua. 1966 übersetzte Arguedas als Erster das berühmte Huarochirí-Manuskript aus dem Quechua ins Spanische. Nach langer Depression Dezember 1969 nahm sich Arguedas das Leben, sein letzter Roman »Der Fuchs von oben und der Fuchs von unten« blieb unvollendet.

»Dieser Roman von 1958 gehört zu den Klassikern Lateinamerikas.« Uwe Stolzmann, Deutschlandradio

Pressestimmen

»Dieser Roman von 1958 gehört zu den Klassikern Lateinamerikas. In „Die tiefen Flüsse" erzählt Arguedas von einer Reise mit dem Vater durch die Anden. Mario Vargas Llosa hat dem Kollegen einmal einen einfühlsamen Essay gewidmet. Der Anthropologe Arguedas, so schreibt er darin überraschend, spiegelte in seinen Texten keineswegs die andine Realität. „Sein Werk stellt eine radikale Negation der Welt dar, die ihm das Vorbild liefert: eine schöne Lüge." Und wenn schon: José Maria Arguedas habe der Welt etwas geschenkt, „das nicht existierte, bevor er es erfand". Was ließe sich Schöneres sagen über die schöne Literatur.«

Uwe Stolzmann, Deutschlandradio

 

»José Maria Arguedas schrieb „Die tiefen Flüsse" 1958 – als Hommage an die Indianer des Hochplateaus. Doch diese Hommage ist zugleich eine Art Abgesang auf eine immer weiter zurückgedrängte Lebensform. Denn die Indianer mögen sich gegen den Staat zwar erheben, bleiben aber Opfer seiner absoluten Macht oder besser: deren, die diese Macht missbrauchen. Am Ende ist es ein Fieber, „ein tausendfaches Fieber", das die Ordnung hinwegfegen wird – eine Zeitlang zumindest. Arguedas hat einen nüchternen Roman geschrieben, eine naturalistisch gehaltene Chronologie vordemokratischer Zustände, wie sie Mitte des 20. Jahrhunderts nicht nur in Peru an der Tagesordnung waren. Ein Dokument des Elends in Zeiten des Geldfiebers.«

Neue Zürcher Zeitung

 

»Sprunghaft ist der Roman, zwischen Spanisch und Quechua, zwischen der Inkakultur und der modernen Zivilisation, Ordinärem und Mythischem, Bürgerlichkeit und Revolution. Und in dieser Sprunghaftigkeit liest er sich fast wie eine Dokumentation, ohne erzählerische Ordnung und Dramaturgie, vom Allgemeinen blitzschnell den Blick fortziehend aufs Detail – ein Sonnenstrahl, ein Frosch, ein improvisiertes Lied. Ein Dokument der Erregungszustände eines Jungen, einer Gemeinschaft, einer Gesellschaft. Traurige Anden.«

Fritz Göttler, Süddeutsche Zeitung

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