Ein Kräcker unterm Kanapee

Ein Kräcker unterm Kanapee

Aus dem Englischen von Ingo Herzke

SALTO. 2010
144 Seiten. Fadengeheftet. Rotes Leinen
17,– €
ISBN 978-3-8031-1268-2
sofort lieferbar
bestellen

Muttersöhnchen und Stubenhocker in den Wechseljahren, frustrierte Ehefrauen und Softpornodarstellerinnen, übereifrige Briefeschreiberinnen und trauernde Witwen – Bennett schöpft aus dem Vollen. Die spinnen, die Briten …

Sechs Menschen – sechs britischbizarre Schicksale: Da ist zunächst Graham, der – weit über vierzig – noch immer zu Hause bei seiner Mutter wohnt und gar nicht gut auf Mr. Turnbull zu sprechen ist, der Mama den Hof macht und ihr eine Hochzeitsreise auf die Kanarischen Inseln verspricht.
Susan hingegen, Ehefrau des Vikars, schaut häufig mal zu tief ins Glas und verliebt sich in den indischen Gemüsehändler an der Ecke. Miss Ruddock zeigt uns, wie extensives Briefeschreiben dazu führen kann, dass man im Gefängnis landet, während die naive Mittdreißigerin Lesley von einem deutschen Filmproduzenten übers Ohr gehauen wird und die Hüllen fallen lässt.
Muriel schließlich hat bis heute den Tod ihres Ehemanns nicht verwunden – ebenso wenig wie die hochbetagte Doris, die einen Kleinkrieg gegen ihre Putzfrau und Altenpflegerin führt und der ein Kräcker unterm Kanapee zum Verhängnis wird …
Meisterhaft beherrscht Alan Bennett die Klaviatur von Tragik bis Komik, denn diese erst macht die Schicksalsschläge des Lebens (und auch diejenigen unter die Gürtellinie) erträglich – und Appetit auf mehr.

Alan Bennett

© John Timbers

Alan Bennett

Alan Bennett, 1934 in Leeds geboren, wurde bekannt durch seine TV-Comedy-Revue »Beyond the Fringe«. Er ist einer der populärsten britischen Dramatiker. Neben zahlreichen Theaterstücken und seinen Arbeiten für Fernsehen und Rundfunk schreibt Bennett seit Mitte der neunziger Jahre auch Prosa, unter anderem den Erfolgstitel »Die souveräne Leserin«.

»Es sind unterhaltsame Dramolette, in denen vereinsamte Menschen sich ihr Lebensleid von der Seele reden. Ein Prosit auf Bennetts intelligente Eleganz"« DER SPIEGEL

Pressestimmen

Unter dem Titel Ein Kräcker unterm Kanapee legt Bennett, von Ingo Herzke präzis übersetzt, sechs hinreißende, bizarre Schicksale vor. Beispielsweise jenes von Graham, der mit über vierzig Jahren immer noch bei seiner Mutter wohnt und eifersüchtig über deren amouröse Abenteuer mit Mr. Turnbull wacht; sie lässt sich sogar dazu hinreißen, Kaffee statt Tee zu trinken! Mit Witz und Heitersinn präsentieren sie uns eine Welt von Spinnern, in denen wir uns durchaus selbst erkennen dürfen.

Manfred Papst, Neue Zürcher Zeitung

 

„Wir mögen lieber Tee", weist Graham den Jugendfreund seiner 72-jährigen Mutter zurecht, als Mr. Turnbull die Frau Mama zum Kaffee einladen möchte. „Mir ist nach ein bisschen Abenteuer", überrascht die Mutter den Sohn. „Ich nehme Kaffee."
So leitet Alan Bennett Katastrophen ein. In seinem gerade auf Deutsch erschienenen Bändchen Ein Kräcker unterm Kanapee wirft er wieder kleine spitze Pfeile in den britischen Alltag. Altmodisch wirken seine Figuren in den sechs Kurzgeschichten – und doch spürt man: Menschen wie diese sind auch heute noch unter uns. Graham etwa, das Muttersöhnchen. Er kann es nicht glauben, dass seine Mutter einen Neuen hat. Der will sie auch noch auf die Kanaren mitnehmen! Oder Doris mit Herzschrittmacher und Schwindel steigt auf die Anrichte, weil natürlich die Putzhilfe wieder nicht richtig geputzt hat. Nach dem Sturz bleibt ihr nur noch ein Kräcker unterm Kanapee. Und Miss Ruddock, die mit ihrem Füllfederhalter bewaffnet Fehler benennt.
Die Briten in den Kurzgeschichten kommen nicht zum Luft holen. Sie bleiben in den gesellschaftlichen Zwängen und in ihren Ansprüchen, ihrem Denken fest geschnürt. Während ihrer Monologe merken sie selbst gar nicht, was ihr Problem ist. Miss Ruddock meint den Menschen zu helfen, dabei braucht sie in ihrer Einsamkeit selbst Hilfe. Und Doris möchte es ja nur reinlich haben, dabei wischt sie sich und ihren Mann fort.
Aber ohne Tragik keine Komik. So traurig die Schicksale auch sind, der brillante Beobachter Bennett lässt den Leser mehr lachen als weinen. So klug spickt er den Text mit Ironie.

Maren Schürmann, Westdeutsche Allgemeine Zeitung


Das Geheimnis der Texte Bennetts ist erstens der in alle Situationen unendlich liebevolle Umgang des Autors mit seinen Figuren. Ihre Würde wird bis zuletzt gewahrt. Mit subtilem Humor und eleganten Witzen schildert Bennett die skurrilsten, mitunter schreiend-, bald darauf tragikomischen Schicksale, Beziehungen und Lebenskrisen, doch sind es niemals die Figuren, über die man lacht – und wenn doch, so kann man sich sicher sein, dass sie mitlachen würden. Zweitens geht Bennett in seinen Geschichten weit über deren britisch-humorvolle Oberfläche hinaus. Die Monologe legen die Wunden grundguter Charaktere offen, an denen das Leben vorbeigebraust ist. Sie sind hinter den Selbstverwirklichungsansprüchen anderer zurückgeblieben und von einer Erfolgsgesellschaft ausgeschlossen.

Isabella Pohl, Der Standard


Auch wenn dieser Satz zu Recht unter Klischeeverdacht steht: Es gibt ihn, den typisch englischen Humor, und sein Hexenmeister heißt Alan Bennett. Vor zwei Jahren landete er mit dem Bändchen Die souveräne Leserin einen solchen Überraschungserfolg, dass der Verlag mittlerweile schon bei Auflage Nummer vier angelangt ist. Und auch sein neuester Streich ist unbedingt empfehlenswert. Diese Erzählungen sind in Wahrheit Monologe, ihre Helden sind kurios und verschroben, und fast alle haben ein Geheimnis, das sie ganz nebenbei enthüllen. Ironisch, skurril und auch für Leser geeignet, die eigentlich keine Erzählungen mögen.

Katharina Mahrenholtz, NDR Info


...zurück
* Alle Preise inkl. MwSt. ggfls. zzgl. Versandkosten