Die knallneuen Bücher stapeln sich hier im Flur, die reisefertigen Autorinnen und Autoren, deren Veranstaltungen sämtlich abgesagt wurden, sitzen enttäuscht auf ihren Koffern. Es ist still im Verlag. Natürlich würden wir dieser Tage gern frohgemut rufen: Nutzt die coronagefährliche Zeit einfach zum Lesen!

Und doch bleibt einem dieser Appell in der Tastatur stecken, weil die weltweiten Aktualitäten selbst unerschütterlichen Optimisten zeigen, wie schnell vorgeblich Selbstverständliches infrage steht und wie viel grundsätzlicher zugleich das existenzielle Leid außerhalb der Mauern Europas ist.

Frei von Zynismus und Pathos teilen wir also schlicht mit, dass wir neue Bücher ausgeliefert haben:

Marina Frenk: ewig her und gar nicht wahr (die unerschrockene Spurensuche einer jungen Künstlerin, ein poetischer Roman über Vertreibung, Migration und Verlorenheiten) / Ivan Vladislavić: Schlagabtausch (ein Boxerroman aus der Zeit der Apartheid in Südafrika) / Sara Mesa: Quasi (eine doppelbödige Außenseitergeschichte von Spaniens literarischem Shootingstar) / Wilma Stockenström: Der siebte Sinn ist der Schlaf (spröde und unmittelbar: das wechselhafte Leben einer Sklavin erzählt von der südafrikanischen Lyrikerin) / Alan Bennett: Der souveräne Leser (Leseempfehlungen und -warnungen) / Paul Stänner: Agatha Christie in Greenway House (ein Hausbesuch bei der Crime Lady) / Michelle Winters: Ich bin ein Laster (witzig und überraschend: ein Eheroman aus Kanada) / Stefan Schweizer: Die Hängenden Gärten von Babylon (erzählt vom Weltwunder und von grüner Architektur) / Daniel Hornuff: Hassbilder (dringlich und aktuell) / Diana Weis: Modebilder (welchen Einflüssen unterliegen die Beeinflusserinnen?) / Kolja Möller: Volksaufstand und Katzenjammer (zur Geschichte des Populismus) / Claude Gudin: Kleine Naturgeschichte der Verführung (originell und lehrreich, denn: der nächste Frühling kommt bestimmt! (auch wenn es der zweite oder dritte ist…)) / Giuseppe Culicchia: Turin ist unser Haus (vorläufig ist die unterschätzte Schönheit dieser Stadt in Buchform zu besichtigen…) / Jiří Weil: Leben mit dem Stern (ein fast vergessener, unvergesslicher Roman über das Schicksal der Juden in Prag)

Unverdrossen hoffnungsvoll wünschen wir: Gesundheit und Frohsinn! Auf bessere Zeiten – Ihr Verlag Klaus Wagenbach