Im Dezember der Wind

Im Dezember der Wind

Aus dem kolumbianischen Spanisch von Rike Bolte

Quartbuch. ersch. 23.3.2023
Gebunden mit Schutzumschlag. 448 Seiten mit Lesebändchen.
29,– €
ISBN 978-3-8031-3354-0

In jedem Satz steckt eine ganze Welt. Marvel Morenos karibische Saga um vier Freundinnen: ein ausschweifender, heftiger, überlebensgroßer Roman – und die lange überfällige Entdeckung einer faszinierenden Erzählerin.

Jeder Sturm hat seine Gründe, jedes Schicksal seinen Ursprung. Wie eine gelassene, weil machtlose Göttin sitzt die Großmutter inmitten von Zikadengezeter in der trägen Luft der Mittagshitze, als sie es Lina erklärt: warum ihre Freundin Dora einen Mann heiraten wird, der sie schlägt – und welche generationenalte Schuld sie unabwendbar ins Unglück zu führen scheint.

Viele Jahre später versucht Lina zu begreifen und zu erzählen: nicht nur von Dora, auch von Catalina, Beatriz und sich selbst. Alle sind sie jung, schön und reich, Teil der so konservativen wie frivolen Elite Barranquillas, einer Stadt an der kolumbianischen Karibikküste. Es sind Geschichten von Freiheitsträumen und Demütigungen, von weiblichem Begehren, von Sex und Unterwerfung, kolonialem Erbe und den Verbrechen der Erziehung – vor allem aber Geschichten von Frauen, die zum Skandal werden.

Marvel Morenos Sprache ist ein Ereignis: bildgewaltig, mal sarkastisch-fies, mal sinnlich, immer unerbittlich tiefenscharf. Ein lebenssattes lateinamerikanisches Sittengemälde der fünfziger Jahre, ein allzu lange verborgener Schatz der Weltliteratur – endlich in herausragender deutscher Erstübersetzung.

»Marvel Moreno ist eine Naturgewalt, die ihre Leser mitreißt. Hellsichtig und messerscharf, mit einer sintflutartigen Sprache, die selbst in die dunkelsten Abgründe der menschlichen Seele vordringt.«  Fernanda Melchor

Marvel Moreno

© Fina Torres

Marvel Moreno

Marvel Moreno gehört zu den großen Vergessenen der lateinamerikanischen Literatur. 1939 in Barranquilla/Kolumbien geboren, wurde sie als Karnevalskönigin landesweit bekannt. Diese öffentliche Wahrnehmung wurde Moreno kaum wieder los – auch nicht, als sie sich Ende der sechziger Jahre im Grupo de Barranquilla um Gabriel García Márquez als ernstzunehmende Schriftstellerin zu etablieren versuchte. 1971 beschloss sie daher, sich endgültig an ihrem Sehnsuchtsort niederzulassen: Paris. 1980 veröffentlichte sie ihren ersten Erzählungsband, 1987 dann den Roman »Im Dezember der Wind«. 1989 gewann das Buch in Italien den Premio Grinzane Cavour. Sie starb 1995 in Paris, erst 2020 erschien postum der Roman »El tiempo de las amazonas«. In Kolumbien längst als bedeutende Autorin etabliert, wurde sie zum Vorbild für zahlreiche Schriftstellerinnen der jüngeren Generation.

»Die Anaïs Nin der Karibik, mehr noch: eine wagemutige, große Autorin mit einem unverwechselbaren Stil.«
Luna Miguel, El País

»Marvel Moreno erzählt die gewaltvolle Geschichte von uns Frauen in einer Gesellschaft, die uns unterwürfig und gehorsam will, ohne jede Freiheit. Im Dezember der Wind ist zweifelsohne einer der wichtigsten Romane der kolumbianischen Literatur.«
Pilar Quintana

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