Der Fuchs von oben und der Fuchs von unten

Der Fuchs von oben und der Fuchs von unten

Aus dem peruanischen Spanisch von Matthias Strobel

Mit einem Nachwort von Marco Thomas Bosshard

Oktavheft. ersch. September 2019
320 Seiten. Elegante Klappenbroschur
25,– €
ISBN 978-3-8031-3316-8

Am Ende ist der Autor tot. Das letzte Buch von José María Arguedas ist ein einzigartiger, existenzieller Roman des Abschieds: von einer geliebten Landschaft, von einer verschwindenden Kultur – und vom Leben selbst.

Chimbote an der peruanischen Pazifikküste. Rasend hat sich die Stadt in den sechziger Jahren vom Dorf zum Zentrum der Fischmehlindustrie entwickelt: ein Moloch aus Hafenkneipen, Bordellen und Slums, in denen ausgebeutete indigene Arbeiter aus den Bergen hausen. Das Großstadtleben und die gefährdete Natur beschreibt Arguedas in Bildern des Zerfalls: Möwen und Hunde streiten um Abfälle eines leergefischten Meers, im flackernden Stimmengewirr spricht jeder für sich allein.

Die Krisenerfahrung greift auch auf den Roman selbst über, Tagebuchnotizen des Autors unterbrechen die Handlung. In ihnen hält Arguedas fest, was er liebt und was zu verschwinden droht: die Natur der Anden, deren Schönheit er funkelnde Miniaturen widmet, und die indigene Kultur Perus. Arguedas ringt mit dem Roman, beobachtet seine eigene psychische Zerrüttung, hegt Suizidgedanken. Schreiben wird zur Überlebensstrategie – bis der Abschiedsbrief des Autors dem Text ein Ende setzt.

Arguedas’ letztes Buch ist das bewegende Dokument dieses existenziellen Scheiterns und zugleich der große peruanische Roman des 20. Jahrhunderts.

José María Arguedas

© Baldomero Pestana

José María Arguedas

José María Arguedas, geboren 1911 in Andahuaylas (Peru), gehört zu den großen Vergessenen der lateinamerikanischen Boom-Literatur. Er war Ethnologe und der prominenteste Vertreter des literarischen Indigenismus. In Romanen wie »Die tiefen Flüsse«, die ihn zu einem bekannten Autor machten, versuchte er die indigene Tradition Perus mit der dominanten westlich geprägten Kultur zu versöhnen. Seine Romane verfasste er auf Spanisch, seine Lyrik hingegen auf Quechua. 1966 übersetzte Arguedas als Erster das berühmte Huarochirí-Manuskript aus dem Quechua ins Spanische. Nach langer Depression Dezember 1969 nahm sich Arguedas das Leben, sein letzter Roman »Der Fuchs von oben und der Fuchs von unten« blieb unvollendet.

Marco Thomas Bosshard

Marco Thomas Bosshard

Marco Thomas Bosshard unterrichtet iberoromanische Literaturen und Kulturen an der Europa-Universität Flensburg.

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